Situation 2021

Fahrradkauf 2021

Wie ist die aktuelle Lage?

Auch wenn es derzeit nicht danach aussieht: Der Frühling ist nicht mehr weit, und damit der Start der Fahrrad-Saison. Wenig überraschend: Vermutlich wird sich der Fahrradmarkt auch in diesem Jahr einer hohen Nachfrage erfreuen.

Um die Freizeit und den Urlaub im Land zu verbringen, bietet sich das Fahrrad an. Auch für das Pendeln ist es in der Pandemiezeit eine Alternative zu öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wer sich spontan ein neues Fahrrad oder E-Bike kaufen möchte, könnte aber enttäuscht werden: Das Wunschrad ist oftmals weder im Handel noch online erhältlich, Lieferzeiten von sechs Monaten und mehr sind keine Seltenheit. Die Gründe dafür sind vielschichtig.

Radfahren boomt – und zwar weltweit. Das bringt die Produktions-Betriebe an ihre Grenzen. Ein Fahrrad besteht bekanntlich aus unterschiedlichen Komponenten von verschiedenen Zulieferern. Und viele Teile werden nur von wenigen Herstellern produziert. Durch die gestiegene Nachfrage können die Betriebe manche Bestellungen nicht mehr so schnell abarbeiten. Auf manche Komponenten gibt es daher mittlerweile Wartezeiten von rund einem Jahr, auch weil Rohstoffe fehlen.

Ein Blick nach Asien: Hier wird ein Großteil der Komponenten und Rahmen gefertigt. Der Corona-Virus ist auch dort ein bestimmendes Thema, aber die Zahlen sind geringer als in der EU. Bedeutend hingegen ist das chinesische Neujahrsfest, wo während mindestens einer Woche die Produktion und Logistik ruht. Dabei ist die Transportkette von Asien nach Europa seit letztem Frühjahr schon stark belastet und der Warenverkehr immer noch eingeschränkt. Die Fahrrad-Branche ist hier nur eine von vielen, die ihre Produkte aus Asien bezieht und mit längeren Lieferzeiten zu kämpfen hat.

Seit November schon sollen sich Logistiker in den Häfen um die wenigen freien Container-Plätze auf den Schiffen streiten. Oftmals wird zugesagte Ware gar nicht ausgeliefert – oder nur zu gestiegenen Transportkosten.

Um lieferfähig zu bleiben, suchen die Fahrrad-Hersteller deshalb andere Lösungen und Ersatz-Komponenten, falls sie Teile nicht wie geplant erhalten. Das hat zur Folge, dass sich die Ausstattung des Wunschrads kurzfristig ändern kann, weil andere Komponenten verbaut sind als im Katalog angegeben. Die Kataloge werden Monate im Voraus gedruckt und können nicht der aktuellen Lage angepasst werden.

Zudem werden Ersatz-Komponenten oft in Europa gefertigt und sind deshalb teurer, was sich im Fahrrad-Preis niederschlägt. Zwar versuchen die Hersteller aktuell die Preisentwicklung noch abzufedern, aber es wird allerseits damit gerechnet, dass während der Saison die Preise für Fahrräder und E-Bikes steigen können.

Beim E-Bike ergibt sich noch eine Sonder-Situation: Die Zulieferer der Antriebs-Komponenten müssen aktuell einen komplizierten Spagat hinlegen. Auf der einen Seite stehen sie bei ihren Bestellungen für elektronische Teile wie Chips und Prozessoren am Weltmarkt in direkter Konkurrenz zur Automobil- und Elektronik-Branche, die ebenfalls eine hohe Nachfrage nach Elektroteilen hat. Das erschwert die Versorgung und bringt Probleme in der Lieferkette.

Auf der anderen Seite kürzen die Fahrrad-Hersteller bereits getätigte Bestellungen, da die Versorgungen mit den restlichen Komponenten knapp ist.

Die hohe Nachfrage nach E-Bikes, die wachsende Nachfrage nach Elektronik-Komponenten am Weltmarkt und die steigenden Transport-Kosten aus Asien sind deshalb Indizien dafür, dass die Preise in diesem Jahr steigen werden. Viele E-Bike-Hersteller haben schon mitgeteilt, die Preise erhöht werden müssen.

Wer also sein Wunschrad haben möchte, sollte sich frühzeitig damit beschäftigen und/oder auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Der Bestand im Handel ist aktuell niedrig, Ware kann schnell vergriffen sein.

Dass Kund/innen wütend sind über ausbleibende Lieferungen, sei verständlich, aber man darf die Wut nicht an den Händler/innen auslassen. Sie tun ihr Bestes, können aber am wenigstens auf die weltweiten Lieferketten einwirken.


Text aus radsport-news.com